Ein ganz normaler Lebenslauf...

Gestern wurde ich von einem Reporter des Tagesspiegels angerufen. Er wollte mir kein Abonnement verkaufen, sondern mich zu einem Artikel befragen, der in der Berliner Zeitung erschienen ist. Ich hatte diesen noch nicht gelesen, weil ich mich immer erst am Abend der Presseschau des 1.FC Unions widme, weswegen ich dem Reporter auch nicht wirklich weiterhelfen konnte. Er erklärte mir kurz, worum es in dem Artikel geht, und ich dachte mir: „Na und?“. Ich sagte ihm dann, dass ich dazu nichts sagen könnte und dann war das Gespräch auch schon beendet.

Worum ging es? Natürlich um die Vergangenheit von Dirk Zingler, eine Vergangenheit, die in der DDR spielt. Dirk Zingler war damals 18 Jahre alt, stand am Anfang seiner beruflichen Laufbahn und er hatte das Pech, nicht in der BRD zu leben. Zu der Zeit wusste noch niemand, dass es die DDR bald nicht mehr geben würde, weswegen man sich Gedanken über seinen Lebensweg in der DDR machen musste. Es ging darum, wie das weitere Leben verläuft, ob man sich alle Wege offen hält, oder ob man sich einige Wege verschließt. Dirk Zingler hat sich dazu entschlossen, sich einige Wege offen zu halten, weswegen er seinen Grundwehrdienst beim Wachregiment in Berlin ableistete. Dass dieses Regiment dem MfS unterstellt war, und er deswegen für die drei Jahre ein Mitglied der Staatssicherheit war, das muss einen Menschen mit 18 Jahren noch nicht klar sein. Und selbst wenn es ihm klar war, war er noch lange kein Spitzel der Stasi, sondern ein Soldat, der irgendwo seinen Dienst ableistete. Ein Soldat, der eine Uniform trug, und dadurch von jedem erkannt wurde. Seinen Dienst hat er nach 3. Jahren beendet und war danach auch kein Mitarbeiter der Stasi. Er hat also etwas gemacht, was viele junge Menschen damals gemacht haben und was man ihnen jetzt, in einem neuen System, nicht wirklich vorwerfen kann.

Ich weiß, diese Zusammenfassung ist jetzt sehr oberflächlich, aber ich war damals, als die DDR aufhörte zu existieren, gerade einmal neun Jahre alt. Ich kenne mich mit den Zusammenhängen nicht aus, bin mir aber sicher, dass ich auch versucht hätte, mir viele Wege offen zu halten. Und sind wir doch ehrlich, auch heute treffen 18 jährige noch Entscheidungen, die sie mit 40 dann bereuen, weil sie falsch waren. Aber im Leben darf man Fehler machen, mit 18 muss man sich noch nicht immer bewusst sein, dass eine Entscheidung in der Zukunft noch Nachteile bringen könnte. Jeder sollte in seinen Lebenslauf sehen, und einmal überprüfen, ob alle Entscheidungen die man getroffen hat, auch richtig waren.

Dirk Zingler war damals 3 Jahre bei der Armee und nicht bei der Staatssicherheit. Er hat keinen niemanden ausspioniert und er hat nicht als Spitzel gearbeitet. Damit sollte man diesen Punkt im Lebenslauf von Dirk Zingler auch abhaken und weiter nach vorne schauen. Es ist kein schwarzer Fleck in seinen Lebenslauf und es ist auch kein Grund, um seinen Rücktritt zu fordern. Er macht eine super Arbeit als Präsident und das ist es, was zählt.

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